Es gibt Momente im Sommer, die sich tief ins Gedächtnis einprägen: der Geruch von Sonnencreme, das Kreischen der Schwalben über dem Wasser, das erste kalte Eintauchen in den Fluss. Wer in Bern lebt oder die Stadt im Sommer besucht, kommt früher oder später mit einem ganz besonderen Ritual in Berührung – dem Aareschwimmen. Es ist mehr als eine Freizeitbeschäftigung: Es ist ein Lebensgefühl.
Ich lebe seit über zehn Jahren in Bern – und auch wenn ich nicht jedes Jahr sofort reinspringe, gehört der Gang zur Aare für mich fest zum Sommer. Mal alleine, mal mit Freunden, mal nur zum Reinsitzen. Doch eines bleibt immer gleich: dieses Gefühl von Freiheit, wenn man sich von der Strömung treiben lässt, unter sich das klare, türkisblaue Wasser, über sich den Himmel und rundherum die Kulisse dieser wunderschönen Stadt.
Die Aare – Berns grüne Lebensader
Die Aare prägt das Stadtbild von Bern wie kein anderes Element. Sie umfliesst die Altstadt in einem grossen Bogen, eingebettet in sattes Grün, vorbei an Bundeshaus, Bärenpark und Marzilibad. Ihr Wasser stammt direkt aus den Berner Alpen, weshalb es selbst im Hochsommer angenehm kühl bleibt – ein echtes Geschenk für Hitzetage.
Für viele Bernerinnen und Berner ist die Aare kein Fluss, sondern ein Freund. Einer, dem man vertraut, den man aber respektieren sollte. Denn so klar und einladend das Wasser auch wirkt – die Aare ist kein planschender Badesee. Sie trägt, sie zieht – und genau das macht den Reiz aus.
Der Ablauf: So funktioniert das Aareschwimmen
Typischerweise beginnt das Aareschwimmen beim Schönausteg oder Eichholz. Dort kann man sich auf einer Wiese umziehen, die Wertsachen im Trockensack verstauen – und dann geht’s los. Der Einstieg erfolgt meist über kleine Stege oder flache Kiesbuchten. Und dann… einfach treiben lassen. Der Klassiker: Von Schwellenmätteli bis zum Marzilibad, ein Abschnitt von etwa 1,5 Kilometern. Wer mag, steigt weiter oben ein und verlängert das Erlebnis.
Viele nehmen einen „Böötli“, also ein aufblasbares Gummiboot oder Reifen, mit. Andere ziehen einen Wassersack hinter sich her – darin kann man Kleider, ein Handtuch und sogar ein kleines Picknick transportieren. Wer den Dreh raushat, plant gleich die Grillstelle im Eichholz mit ein und verbringt dort den ganzen Tag.
Sicherheit geht vor – wirklich!
Bei aller Euphorie darf man eines nie vergessen: Die Aare ist kein Schwimmbad. Die Strömung kann täuschen – sie wirkt oft sanft, hat aber enormen Zug. Und wer nicht regelmässig schwimmt oder Respekt vor kaltem Wasser hat, sollte nicht leichtfertig reinspringen. Ich habe in den letzten Jahren viel gelernt, was die Sicherheit betrifft – durch eigene Erfahrungen und durch Gespräche mit geübten Aareschwimmer:innen.
Hier meine erweiterten Sicherheitstipps, die ich allen ans Herz lege:
Vor dem Schwimmen:
- Nur bei guten Bedingungen schwimmen! Prüfe die aktuellen Pegelstände und die Wassertemperatur auf www.hydrodaten.admin.ch.
- Nach starkem Regen oder bei Schneeschmelze nicht schwimmen! Dann steigt die Strömung massiv, Äste und Unrat treiben im Wasser.
- Nicht allein schwimmen. Gehe mindestens zu zweit oder informiere jemanden, wo du schwimmen gehst.
- Keine alkoholischen Getränke vorher. Der Kreislauf reagiert empfindlich auf die Kälte.
- Wassersack / Drybag verwenden. Dieser erhöht die Sichtbarkeit und dient zur Sicherheit – bei Schwäche kann man sich auch kurz festhalten. ACHTUNG: Die Drybags sind keine Schwimmhilfe!
- Einsteiger:innen starten am besten beim Eichholz. Dort ist der Zugang einfach und man kann sich langsam ans Wasser gewöhnen.
Während dem Schwimmen:
- Immer auf Orientierung achten. Halte Ausschau nach Ausstiegen, Brücken und Warnschildern.
- Nicht zu nahe ans Ufer treiben lassen. Verwirbelungen und Strudelgefahr bei Pfeilern und Steinen.
- Frühzeitig aussteigen! Beim Marzilibad rechtzeitig zur Treppe schwimmen – es gibt eine starke Rückströmung, wenn man zu weit kommt.
- Bei Kälte nicht zu lange im Wasser bleiben. Unterkühlung ist eine reale Gefahr – oft merkt man sie zu spät.
- Nie springen! Gerade in Ufernähe ist es oft flach – ernsthafte Verletzungen sind keine Seltenheit.
Für Familien und Anfänger:
- Kinder nie unbeaufsichtigt! Auch wenn das Wasser ruhig wirkt – sie werden schnell mitgezogen.
- Nichtschwimmer:innen gehören nicht in die Aare.
- Für erste Erfahrungen: Besuch eines Schwimmkurses mit Flussschwerpunkt oder eine Einführung durch Profis.
Das Besondere am Aareschwimmen: Natur, Stadt und Freiheit
Es ist schwer, dieses Gefühl zu beschreiben: Man treibt dahin, vorbei an alten Sandsteinfassaden, sieht das Münster, das Bundeshaus, hört die Glocken, das Lachen vom Ufer. Es ist wie ein Kurzurlaub mitten im Alltag. Man gehört für einen Moment ganz zur Stadt – und ist doch ausserhalb von ihr.
Es gibt wenige Orte in Europa, wo man durch eine Hauptstadt schwimmen kann und dabei das Gefühl hat, mitten in der Natur zu sein. Dieses Gleichgewicht zwischen Wildheit und urbanem Komfort ist einzigartig. An warmen Abenden sitzen die Menschen am Ufer, spielen Musik, grillieren, springen in die Fluten – Bern verwandelt sich dann in eine mediterrane Sommerstadt.
Aareschwimmen in Bern mit Orientierung und Karte
Überblick & Einstiegspunkte
| Abschnitt | Startpunkt | Distanz | Merkmale |
|---|---|---|---|
| A: Schönau | Steg am Aareufer | ca. 1 km | Beliebtes Einstiegsareal mit Brücke |
| B: Eichholz | Ufer unterhalb Marzili | ca. 1.5 km | Beliebtester Einstieg; gute Infrastruktur & Wertsachensicherung |
| C: Marzilibad (Ausstieg) | Grosser Holzsteg | – | Klare Treppe, Kiosk, Liegewiese, Rückweg ins Stadtzentrum |
- A: Einfacher Einstieg – ideal für den Anfang
- B: Beliebter Spot, Wertsack-Abgabe, Möglichkeit für Snacks/Picknick
- C: Offizieller Ausstieg mit Treppen, Duschen, Möglichkeit, direkt in die Stadt zurückzukehren
Safety First – Worauf du als Aareschwimmer:in achten solltest
- Strömungscheck: Informiere dich unbedingt vorher auf der Website der Hydrodaten Bodensee–Aare–Rhein (– Schweiz) über Pegelstände & Wasserqualität.
- Beste Zeit: Ab Mai bis spätestens September. Meide nach starkem Regen oder während heftiger Schneeschmelze.
- Mitnehmen: Drybag für Wertsachen & Sichtbarkeit, Schwimmweste (wenn nicht sicher schwimmen), Handy in wasserdichter Hülle.
- Buddy-System: Schwimme nie allein – nimm Freund:innen mit oder informiere deine Unterkunft über deine Schwimmroute.
- Ausstieg planen: Achte frühzeitig auf das Marzilibad, besonders die Treppen. Da sonst starke Rückströmungen lauern!
- Alkohol vermeiden! Auch geringe Mengen können Kälteempfinden beeinträchtigen.
- Abkürzungen nicht brechen: Keine Sprünge – Verletzungsgefahr durch flache Stellen.
- Achtung Kinder & Anfänger: Kinder niemals unbeaufsichtigt in die Aare lassen – auch nicht bei ruhigen Wasserstellen.
Tipps für deinen perfekten Aareschwimm-Trip
- Beste Tageszeit: Vormittags bis früher Nachmittag, an heissen Tagen ist das Wasser besonders erfrischend.
- Picknick & Grill: Am Eichholz findest du Grillplätze und Schattenspender – nimm Snacks oder Zubehör mit.
- Drybag-Alternativen: Viele nutzen aufblasbare Reifen oder SUP-Boards als Floss – ideal für ein gemütliches Dahintreiben.
- Garderoben-Tipp: In vielen Strandbädern, z. B. Marzilibad, kannst du dich umkleiden und duschen. Nimm ein dünnes Handtuch mit.
- ÖV & Rückweg: Vom Marzilibad gelangst du bequem zu Fuss oder mit Bus/Bernmobil zurück ins Zentrum.
Bonus: Empfehlungen in der Nähe
- Marzilibad: Perfekt zum Ausklang – mit Liegewiesen, Selbstbedienungskiosk und WC/Duschen.
- Schwellenmätteli: Für ein After-Swim-Picknick im Grünen, ideal für Gruppen.
- Altstadt: Geniesse danach Kaffeegenuss in deinen Lieblingscafés – z. B. Adrianos, Drip Roasters, Friend or Foe oder Coffee Coaching Club.
Die Aare ist ein Geschenk – und eine Verantwortung
Das Aareschwimmen gehört zu den schönsten Erlebnissen, die Bern zu bieten hat. Es ist Abenteuer, Meditation und Gemeinschaft in einem. Aber es ist auch ein Erlebnis, das Verantwortung erfordert – für sich selbst, für andere, für die Natur. Wer das beachtet, wird mit unvergesslichen Momenten belohnt.
Also: Pack deinen Drybag, deine Badehose und ein bisschen Mut ein – und erlebe Bern aus einer Perspektive, die du so schnell nicht vergessen wirst. Die Aare wartet.


